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Facebook kann teuer werden

Facebook hat weltweit über eine Milliarde Nutzer, die regelmäßig das Social Media Portal nutzen. Nie war es einfacher Bilder, Musik und Videos auf der eigenen Pinnwand hochzuladen, um sie mit Freunden zu teilen. Wer das allerdings ohne Erlaubnis macht, verstößt gegen das Urheberrecht - und das kann teuer werden.

Foto: Gina Sanders - Fotolia

Vor allem Jugendliche gehen meist sehr naiv und unbedarft mit dem Internet um. Durch wenige Klicks ist das neueste Foto vom Lieblingsschauspieler gepostet. Harmlos wäre es, wenn das Material nicht gleichzeitig auch weiterverbreitet und veröffentlicht wird. Bei über 150 Leuten in der Freundesliste, kann man allerdings nicht mehr von privater Nutzung sprechen. Es gilt: Wer urheberrechtlich geschützte Fotos, Filme und Musik verbereitet, muss dafür eine Lizenz erwerben. Eine typische Facebookseite eines Teenagers kann für Abmahnanwälte übrigens bis zu 10.000 Euro wert sein.

Online-Profil wird zum Risiko

Ist das Facebook-Profil öffentlich, kann man zum Beispiel über Google leicht illegale Inhalte finden. Es gibt auch Anwaltskanzleien, die mittels einer Software nach illegalen Inhalten suchen. Auch die höchste Privatsphären-Stufe garantiert keinen vollständigen Schutz davor. Das Risiko ist allerdings sehr gering. Wer aber zum Beispiel ein Bild auf die Pinnwand eines Freundes postet, könnte damit rechnen, dass diese öffentlich ist.

Wir haben über das Thema mit Social Media Experte und Rechtsanwalt Thomas Schwenke gesprochen.

+++ Update +++ Erste Abmahungen gehen raus

Januar 2013: Weil ein Facebook-User einen Link samt Vorschaubild teilte, soll er jetzt rund 1.800 Euro Strafe zahlen. 

Vorschaubilder sind gerade einmal so groß wie eine Briefmarke, die beim Posten eines Links automatisch erstellt werden. Sie sind vor allem praktisch: Entdeckt man einen interessanten Artikel oder ein lustiges Video, generiert Facebook kleine Vorschaubilder, die andere User zum Klicken anregen sollen. Aber: Darf man die Fotos auf seiner Facebook-Seite teilen?

Da Vorschaubilder genauso wie andere Fotografien und Grafiken urheberrechtlich geschützt sind, darf man diese nur mit der Einwilligung der Urheber benutzen. Wer diese Einwilligung nicht hat, begeht einen Urheberrechtsverstoß.

Geldstrafen belaufen sich auf ca. 700 Euro bei Privatpersonen und auf 1.200 Euro bei gewerblicher Nutzung. Sich darauf zu berufen, dass Facebook die Vorschaubilder automatisch erstellt, hilft nicht. Auf die Bilder kann nämlich verzichtet werden:

Die Nutzung von sozialen Netzwerken wird für die Nutzer immer mehr zum Abmahnrisiko. Vor allem Verstöße gegen Bildrechte bringen den Nutzer in Gefahr, kostenpflichtig abgemahnt zu werden. Man sollte deshalb gänzlich auf Vorschaubilder verzichten, wenn man die Nutzungsrechte an dem Bild nicht hat. Wer Social Media Marketing betreibt und nicht auf Vorschaubilder verzichten möchte, sollte ein mögliches Urheberrechtsrisiko einrechnen.

Nachgefragt

Rechtsanwalt Thomas Schwenke: Wird es bald immer mehr Abmahnungen bei der Nutzung von Vorschaubildern geben?

Rechtsanwalt Thomas Schwenke: Wie hoch ist das Risiko für private Facebook-Nutzer?

Rechtsanwalt Thomas Schwenke

Experte für Social Media Fragen

Rechtsanwalt Thomas Schwenke, Dipl.FinWirt, LL.M. aus Berlin berät in Rechtsfragen zum Social Media Marketing, Datenschutz und gewerblichen Rechtsschutz. Er gehört zu den bekanntesten Social Media Anwälten Deutschlands und vermittelt juristische Themen verständlich und praxisnah. Er ist Autor des Buchs „Social Media Marketing und Recht“, das im O’Reilly Verlag erschien. Website: http://rechtsanwalt-schwenke.de

Wir haben mit Thomas Schwenke gesprochen und alle wichtigen Fragen rund um Urheberrechtsverletzungen bei Facebook geklärt.

Bis zu 10.000 € kann eine Facebook-Seite wert sein. Allerdings bekommt man das Geld nicht - man muss es selbst zahlen. Herr Schwenk, wie kommt es zu so einer großen Summe?

Zu den potentiellen Urheberrechtsverletzungen auf der Facebook-Pinnwand zählen: Bilder, Filme, Links und Musikstücke ohne erworbene Lizenz

Sind alle Bilder urheberrechtlich geschützt?

Wie hoch ist das Risiko, dass auf meiner Pinnwand ein Urheberrechtsverstoß entdeckt wird?

Und was passiert, wenn ein Freund ein urheberrechtlich geschütztes Bild auf meine Pinnwand postet?

Wenn ich auf eine andere Seite (zum Beispiel Nachrichtenseite) verlinke, taucht auf meiner Pinnwand ein kleines Vorschaubild auf. Ist das auch schon ein Urheberrechtsverstoß?

Wenn ich gegen eine Urheberrechtsverletzung verstoßen habe, muss ich sofort zahlen?

Kann ich eine Urheberrechtsverletzung auch einfach umgehen?

Wenn ich auf meiner Facebookseite Bilder, Videos und Links gepostet habe, sollte ich meine Pinnwand komplett davon befreien?

Noch Fragen?

Wenn Sie noch Fragen im Bezug auf Urheberrechtsverstöße bei Facebook haben, können Sie sich gerne an die Anwaltskanzlei von Thomas Schwenke wenden. Wenn man bereits eine Abmahnung erhalten hat, sollte man sich entweder bei der Verbraucherzentrale oder direkt von einem Anwalt beraten lassen.

Keine Panik

Wichtig ist, man sollte jetzt nicht in Panik verfallen. Das Risiko ist gering, wenn man sich mit Facebook gewissenhaft beschäftigt und sein Profil auf privat gestellt hat. Man sollte sich dennoch merken: Facebook ist kein rechtsfreier Raum - wer Fotos benutzen möchte, sollte auf Nummer sicher gehen und nach Erlaubnis fragen.


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