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Erkältungszeit: Mythen und Tipps

Foto: JohnKwan - Fotolia

Die Tage werden kühler und die ersten Erkältungen stehen wieder an. Wir wollen mit den wichtigsten Erkältungsmythen aufräumen und hab mit einem Spezialisten über Husten, Schnupfen und Grippe gesprochen.

Stimmt es, dass man bei Atembeschwerden besser keine Milch trinken soll? Und muss man Fieber immer ausschwitzen?

Wir haben Dr. Arno Apel, Allgemeinmediziner in Recklinghausen-Hochlar, über die bekanntesten „Erkältungsmythen" ausgefragt:

Die bekanntesten Erkältungs-Mythen... und ihre Wahrheiten!

„Wenn ich im Durchzug sitze, werde ich automatisch krank."

Dr. Apel: „Das stimmt nicht ganz. Allerdings kann Kälte grundsätzlich allerdings das Immunsystem schwächen. Dann trocknen die Schleimhäute aus, was dazu führt, dass Erkältungserreger leichteres Spiel haben. Den Effekt kennen viele aus dem Urlaub - wenn im Flugzeug oder im Einkaufszentrum die Klimaanlage arktische Temperaturen erzeugt."

„Nach viel Sport oder viel Stress bin ich immer erkältet!"

Dr. Apel: Das Phänomen nennt sich „Open Window Effect". Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das stimmen kann. Durch zu hohe körperliche oder psychische Belastung wird das Immunsystem geschwächt und man ist für kurze Zeit anfällig. Das kann dazu führen, dass man am nächsten Tag krank ist.

„Wenn ich ein erstes Halskratzen verspüre, kann ich die Erkältung mit Holundersaft abwehren!"

Dr. Apel: Das stimmt leider nicht. Holundersaft verkürzt die Erkältung ebenso wenig wie Vitamin-C-Gaben. Allerdings kann beides die Symptome lindern - also trinken Sie, was Ihnen schmeckt, wenn Sie das Gefühl haben, dass es hilft. Grundsätzlich gilt aber für einen grippalen Infekt: 3 Tage kommt es, 3 Tage steht es, 3 Tage geht es.

"Man soll keine Milch trinken, weil sie schleimt."

Dr. Apel: Es stimmt zwar, dass Milch schleimt, das ist aber bei Erkältungen kein Problem - denn die Milch wandert ja in den Magen und nicht in Bronchien oder Nebenhöhlen! Warme Milch kann bei Halsschmerzen durchaus lindernd wirken. Achtung: wenn Sie Honig einrühren möchten, warten Sie, bis die Milch etwas abgekühlt ist. Auf diese Weise werden die wertvollen Enzyme nicht zerstört.

„Fieber muss man immer ausschwitzen."

Dr. Apel: Grundsätzlich eine sinnvolle Empfehlung. Fieber ist schließlich die natürliche Abwehrreaktion des Körpers auf Krankheitserreger. Achten Sie aber darauf, dass Sie genug trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Bei Kindern sollten Sie kein Risiko eingehen - ab ca. 39°C sollte ein Arzt fiebersenkende Mittel verschreiben.

„Man sollte die Nase nicht putzen, sondern besser hochziehen."

Dr. Apel: Es ist vielleicht nicht gerade ästhetisch, aber schon sinnvoll: zu starkes Schneuzen schädigt die Nebenhöhlen und kann zu Nasenbluten führen. Beim Hochziehen und Runterschlucken wird das Sekret im Magen neutralisiert. Wem das zu eklig ist, dem empfehle ich: Nase putzen, aber nicht zu kräftig.

„Hühnersuppe ist das beste Mittel gegen Erkältung."

Dr. Apel: Es gibt so viele beste Hausmittel wie es Menschen gibt. Hühnersuppe ist grundsätzlich gesund und kräftigend und wärmt den Körper von innen. Bei Hausmitteln gilt grundsätzlich: Wenn man darauf schwört, sollte man es ruhig tun.

„Ich schwöre auf Zwiebel- oder Petersiliensäckchen als Ohrauflage."

Dr. Apel: Klingt erst einmal seltsam, ist aber einen Versuch wert - bei Ohrenschmerzen oder Mittelohrentzündung. Die Säckchen geben Wärme ab, dadurch wird die Durchblutung verstärkt und Entzündungsstoffe abtransportiert. Wenn nach 2-3 Tagen aber keine Besserung eintritt, sollten Sie zum Arzt gehen.

„Mein Haustier hilft mir beim Gesundwerden."

Dr. Apel: Dagegen ist nichts zu sagen! Liebe Menschen und auch Tiere helfen grundsätzlich beim Gesundwerden und -Bleiben. Streicheleinheiten, Wärme, Trost und Zuwendung - kurz: Liebe ist ganz wichtig und hält uns fit!

„Eine Erkältung ist bis zum letzten Tag ansteckend."

Dr. Apel: Sogar länger! Schon 2 Tage, bevor die ersten Symptome auftreten, ist man ansteckend - und sogar noch 4-5 Tage nach dem Abklingen von Husten, Schnupfen und Co.! Deshalb sind gerade innerhalb einer Familie Erkältungen hartnäckig, da sich immer wieder gegenseitig angesteckt wird.

Dieses Problem kennen viele Familien im Vest... aber was, wenn das Kind zuhause bleiben muss? Muss man trotzdem zur Arbeit?

Für berufstätige Eltern ist es eine schwierige Situation - das Kind ist krank, aber im Büro wartet ein Haufen Arbeit. Oma hat keine Zeit, und in die Kita kann man den Sprössling in dieser Verfassung auch nicht gehen lassen. Arbeitnehmer mit kulanten Chefs und verständnisvollen Kollegen sind hier im Vorteil - einheitliche Regeln, wie oft und lange Eltern zuhause bleiben dürfen, gibt es nicht. Jedoch ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) festgelegt, wie viele Tage Sonderurlaub Arbeitnehmern zu besonderen Gelegenheiten zusteht. Dazu zählen die eigene Hochzeit, Todesfälle im engsten Familienkreis, Gerichtstermine - und auch die Erkrankung eines Kindes. Insgesamt kommt man so auf fünf Sonderurlaubstage. ACHTUNG: in manchen Arbeitsverträgen ist die Lohnfortzahlung ausgeschlossen, einige Branchen haben sie dagegen tariflich festgeschrieben! Schauen Sie am besten vorher in Ihren Unterlagen nach.

Wenn Ihr Arbeitgeber keinen bezahlten Sonderurlaub gewährt, können Sie unbezahlt frei nehmen und sich das Geld von Ihrer Krankenkasse wieder holen - vorausgesetzt, Ihr Kind ist mitversichert, jünger als 12, Sie können ein Attest vorweisen und es gibt außer Ihnen selbst niemanden, der das kranke Kind zuhause betreuen kann. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen in diesem Fall maximal 90 Prozent des Nettogehalts. Laut Sozialgesetzbuch dürfen Eltern jeweils zehn (Alleinerziehende: 20) Tage im Jahr zuhause bleiben. Bei zwei Kindern verdoppelt sich diese Zeit. Bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung des Kindes haben Arbeitnehmer ein Recht auf unbefristete Freistellung vom Job und auf Krankengeld. Privatpatienten gehen hier allerdings leer aus.


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