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Kanal-TÜV

Jahrelang wurde über den Kanal-TÜV gestritten - jetzt ist er beschlossene Sache: Der Landtag hat der neuen Verordnung zur Dichtheitsprüfung von Kanal-Anschlüssen zugestimmt.

Eigenheim-Besitzer in Wasserschutzgebieten müssen bis 2020 ihre Kanäle checken lassen - und das kann unter Umständen richtig teuer werden.

Im Vest müssen rund 30.000 Haushalte in Dorsten, Haltern am See, Datteln, Oer-Erkenschwick und Gladbeck in den nächsten Jahren ihre Abwasserkanäle überprüfen lassen.

Betroffen sind aber nur die Menschen, die in einem der fünf Wasserschutzgebiete im Kreis leben. Bis zu 20.000 Euro können Reparaturarbeiten kosten, wenn Leitungen nicht mehr dicht sind.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um den Kanal-TÜV:

Was ist eine Dichtheitsprüfung?
Nach Paragraf 60 des Wasserhaushaltsgesetzes müssen Abwasseranlagen den Regeln der Technik entsprechen. Bei privaten Gebäuden müssen das die Eigentümer gewährleisten. Mit der Dichtheitsprüfung kann der technische Nachweis erbracht werden, dass die privaten Abwasseranlagen den Vorschriften entsprechen.

Wie wird geprüft?
Es gibt zwei Techniken: Die optische Prüfung wird per Kanal-Kamera durchgeführt, für deren Einsatz in der Regel eine vorherige Reinigung des Kanals notwendig ist. Alternativ gibt es die Druckprüfung, bei der der Kanal mit Wasser oder Luft gefüllt und ein eventueller Druckabfall gemessen wird.

  • Welche Firmen in Ihrer Nähe eine Prüfung durchführen können finden Sie hier.

Was kommt auf die Haus- und Wohnungsbesitzer zu?
Die Gesetzesänderung sieht vor, dass die Prüfung bei Häusern, die vor 1965 in heutigen Wasserschutzgebieten errichtet wurden, bis Ende 2015 zu erfolgen hat. Jüngere Gebäude in ausgewiesenen Schutzgebieten müssen dem Entwurf zufolge bis Ende 2020 geprüft werden. Außerhalb solcher Gebiete sollen die Städte und Gemeinden die Prüfintervalle dem Entwurf nach selbst festlegen.

Was ist mit Mietern?

Eigentümer können die Kosten für die vorgeschriebene Kanalprüfung auf ihre Mieter umlegen – die Kosten für eine Reparatur aber nicht.

Wer ist betroffen?
In NRW gibt es über 400 Wasserschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 4068 Quadratkilometern. Das entspricht zwölf Prozent der Landesfläche. Im Vest sind rund 30.000 Haushalte in den fünf Wasserschutzgebieten in Dorsten, Haltern am See, Datteln, Oer-Erkenschwick und Gladbeck betroffen.

Was kostet eine Dichtheitsprüfung?
Schätzungen gehen von 300 bis 600 Euro pro Einfamilienhaus aus, für größere Häuser mit vielen Leitungsabzweigungen stehen Beträge weit über 1000 Euro im Raum. Die Kosten hängen von der Länge des Rohres vom Haus zum Kanal und der eingesetzten Technik ab. Teuer wird es, wenn Schäden festgestellt werden. Die Reparaturen können bis zu 20.000 Euro kosten. 

Gibt es finanzielle Unterstützung vom Land?
Ja. Die Landesregierung stellt bis zu zehn Millionen Euro aus dem Förderprogramm "Ressourcenschonende Abwasserbeseitigung" für die Sanierung privater Kanäle zur Verfügung. Eine Unterstützung in Härtefällen ist vorgesehen: Hauseigentümer ohne eigenes Einkommen können Hilfe bekommen. Zinsverbilligte Darlehen für die Sanierung können bei der NRW-Bank beantragt werden.

Zahlen Versicherungen die Sanierung der Rohre?
Nur unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt die Wohngebäudeversicherung die Kosten. Voraussetzung: Die Police beinhaltet solche Leistungen. 

Was sollte man als Hauseigentümer jetzt tun?
Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt, zunächst die gesetzlichen Regelungen inklusive der neuen Vorgaben der Gemeinden abzuwarten. Die Gemeindeverwaltung muss Auskunft erteilen. Betroffene sollten auf einer schriftlichen Auskunft bestehen, für deren Richtigkeit die Gemeinde haften muss.

Was passiert bei einer nicht durchgeführten Prüfung?
Nicht oder nicht fristgerecht durchgeführte Dichtheitsprüfungen bzw. genau genommen die Nichtvorlage der Dichtheitsbescheinigung sind als Ordnungswidrigkeit ausgewiesen und können mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden (die Geldbuße dürfte in der Praxis allerdings im drei- bzw. unteren vierstelligen Bereich liegen).

  • Mehr Informationen zum Kanal-TÜV bekommen Sie hier.
Bürgerinitiativen

In Dorsten hat sich die Bürgerinitiative "Alles-dicht-in-Dorsten" gegründet. Die Gruppe will sich gegen das Gesetz wehren und andere Bürger z.B. über eine schonenede Dichtheitsprüfung informieren. Am 28. Oktober 2013 gibt es um 19.30 Uhr eine Veranstaltung zum Thema "Kontra Dichtheitsprüfung/Kanal-TÜV). Mehr Infos gibt es hier.

Weitere Bürgerinitiativen gibt es in Castrop-Rauxel und Gladbeck. Mehr Infos finden Sie bei alles-dicht-in-NRW.


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