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Stiftung Warentest-Studie

Bild: pcwelt.de

Stiftung Warentest hat im Jahr 2006 Nachhilfeinstitute getestet. Bei einer Umfrage gaben rund 80% der Schüler an, dass sich die Leistungen um eine oder zwei Schulnoten verbessert hätten, und 73% würden den Nachhilfelehrer beziehungsweise das Ins¬titut uneingeschränkt weiterempfehlen. Einige weitere Ergebnisse finden Sie hier:




Die Anbieter

In Deutschland gibt es über 3 000 gewerbliche Nachhilfeinstitute. Sie machen aber nur rund ein Viertel des Marktes aus. Der größte Teil der Schüler paukt mit privat organisierten Nachhilfelehrern.


Die dominierenden Institute heißen Studienkreis und Schülerhilfe. Weitere kleinere Institute sind das Lernstudio Barbarossa und die Sprachschule Berlitz. Zudem gibt es eine Vielzahl von Einzelanbietern.


Die Institute bieten in erster Linie 2 mal pro Woche Gruppenunterricht für je 90 Minuten an. Üblich sind ca. 3-5 Schüler zur gleichen Zeit bei einem Lehrer. Umfragen zeigen allerdings, dass mitunter aber auch bis zu 9 Kinder in einer Gruppe befinden.


Die Preisspanne für eine Doppelstunde liegen zwischen 7 und 32 € für Gruppenunterricht und für Einzelunterricht zwischen 16 und 64 €.


Während es bei Privatlehrern meist keine Vertragsbindung gibt, haben die großen Institute eine Mindestvertragslaufzeit von einem halben Jahr. Für diese lange Bindung wäre eine Probezeit von etwa sechs Wochen angemessen. Üblich seien dagegen zwei Stunden. Am besten wären Verträge ohne Mindestlaufzeiten. Die bieten aber nur einige kleine Institute an.

Die Beratungsgespräche

Der Test:      > 4 Anbieter, jeweils 3 Filialen, 3 Fälle
                    > Ein unmotivierter Schüler, 8. Klasse, Realschule
                    > Eine unruhige Schülerin mit schlechten Leistungen, 8. Klasse, Gymnasium
                    > Schülerin mit deutlichen Anzeichen für eine Lese-/Rechtschreibschwäche (LRS,
                       Legasthenie), 5. Klasse

Ergebnis:     > „Von differenzierter Beratung kann kaum die Rede sein."
                    > Die Legasthenie der Schülerin wurde beispielsweise nur in einem Gespräch beim Studienkreis
                       thematisiert. Das wäre aber in jedem Fall überall notwendig gewesen, denn die klassische
                       Nachhilfe ist für Legastheniker nicht geeignet. Wer davon betroffen ist, muss
                       Spezialkurse besuchen. Das Gleiche gilt für Schüler mit einer ausgeprägten
                       Rechenschwäche (Dyskalkulie).
                    > Die Gespräche beim Studienkreis und im Lernstudio Barbarossa verliefen teilweise
                       fachgerecht.
                    > Die Schülerhilfe hinterließ den schlechtesten Eindruck. Die Mitarbeiter wollten in
                       2 von 3 Fällen die Geschäftsbedingungen nicht herausgeben. In zwei Filialen war die
                       Beratung fachlich wenig fundiert und die Unterrichtsräume wirkten nicht gerade einladend.
                       Düster, ungemütlich und muffig lauten einige Beschreibungen.
                    > Berlitz hat schöne Räume, aber in Köln wurde zum Beispiel ein Beratungstermin vereinbart,
                       obwohl schon am Telefon klar gewesen sein muss, dass es für das betreffende Kind gar
                       keinen Kurs gab. Angeboten wurde nur Gruppenunterricht, ohne zu überprüfen, ob für die
                       Kinder eine Einzelbetreuung nicht angemessener wäre.

Fazit:           > Jeder, der etwas Geld zur Verfügung hat, kann hierzulande ein Nachhilfeinstitut eröffnen.
                       Staatliche Aufsicht findet kaum statt.
                    > Auch bei der Qualitätssicherung muss noch einiges getan werden. Einen Anfang hat
                       die Gütergemeinschaft Ina-Nachhilfeschulen gemacht. Der Zusammenschluss von zwölf
                       Einzelinstituten hat Qualitätskriterien aufgestellt und zusammen mit dem Deutschen
                       Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung (RAL) Nachhilfeschulen zertifiziert.
                     > In den meisten Fällen müssen die Eltern aber nach Gefühl entscheiden, wem sie
                        ihre Sprösslinge zur Nachhilfe anvertrauen.


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