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Schimpfen am Steuer

"Mensch, dann trag dein Auto doch um die Kurve... fahr doch endlich, du Vollpfosten!"

Viele Autofahrer regen sich hinterm Steuer gerne mal über die anderen Straßenteilnehmer auf. Dass es bisher noch keine Fälle von kaputten Windschutzscheiben durch lautstarke Flüche gibt, grenzt fast an ein Wunder. Gründe für das Schimpfen am Auto gibt es viele. Der Fahrer vorne fährt zu langsam, man wird geschnitten, der Blinker wird nicht gesetzt, die Parklücke wurde weggeschnappt...

...Und darüber ärgern sich unsere Hörer im Vest

Das kann teuer werden

Verbale Entgleisungen hinter dem Steuer können richtig teuer werden. Auch wenn das Schimpfen im Auto zur Tagesordnung im Straßenverkehr gehört - es ist kein Kavaliersdelikt: Es drohen Geldstrafen in mindestens dreistelliger Höhe. Allerdings gibt es keinen festen Bußgeldkatalog für Beschimpfungen und beleidigende Gesten. Schaut man auf vorhandene Gerichtsurteile, kann man in etwa einschätzen, was entsprechende Verhaltensweisen kosten können. Die Geldstrafe wird in Tagessätzen angegeben und die orientieren sich an den wirtschaftlichen Verhältnissen des Beschuldigten.

Für "Du fieses Miststück" und "alte Sau" kann man bis zu 2.500 € hinblättern, "Bei dir pieps wohl" ist mit 750 € verhältnismäßig günstig, "Du Schlampe" kostet um die 1.900 €. Selbst mehr oder weniger geschickt formulierte Beleidigungen selbsternannter Hobbyjuristen ziehen Strafe nach sich. Aussagen wie "am liebsten würde ich jetzt Arschloch zu dir sagen" muss sich niemand bieten lassen. In einem Fall wurden dafür 1.600 € fällig. Am güngstigsten sind Beschimpfungen wie "leck mich doch" oder "dumme Kuh" - Gerichte verlangen dafür rund 300 €.

Wird ein Polizeibeamter beschimpft , wird es noch teurer. Wer in seiner Wut einen Polizisten duzt, kann dafür schon mal 600 € zahlen. Aber auch wer beim "Sie" bleibt, sollte vorsichtig sein. Die Beschimpfung "Sie sind ja krankhaft dienstgeil " wurde von einem deutschen Gericht mit 800 € bestraft. "Kasperleverein" hat einen Autofahrer schlappe 1.000 € gekostet. Für "Raubritter" und "Trottel in Uniform" wurden 1.500 € fällig.

Also: Lieber den Ärger runterschlucken, sonst wird´s teuer!

"Papa schimpft im Auto"

Eine Umfrage mit 500 Kindern hat ergeben, dass sich Eltern am Steuer häufig alles andere als vorbildlich benehmen. Demnach schimpfen 75 Prozent der Väter und Mütter regelmäßig am Steuer, 54 Prozent schreien sogar. Außerdem werfen 45 Prozent der Kinder ihren Eltern mangelnde Konzentration am Steuer vor. Aber: Trotz Schreien am Steuer und Aufmerksamkeitsdefizits sind 98 Prozent der Kinder mit dem Fahrstil ihrer Eltern zufrieden.

Tipps, um Aggressionen im Straßenverkehr abzubauen
  • Tief durchatmen: Möglichst in den Bauch atmen und langsam bis zehn zählen.
  • Sich in die Lage des Gegenübers versetzen: Meist steckt hinter den Reaktionen keine Absicht und nur in den seltensten Fällen eine, die einen persönlich treffen soll. War es vielleicht nur Unwissenheit, Unbeholfenheit oder ein Versehen?
  • Positive Gedanken suchen: Die Entspannung im letzten Urlaub, das Erfolgserlebnis im Sport oder Lob vom Chef - positive Erinnerungen lassen Wut und Ärger verblassen.
  • Wichtigkeit der Situation überprüfen: Ist es wirklich so wichtig? Wie werde ich die Situation in einem Jahr beurteilen? Die meisten Situationen im Straßenverkehr sind gleich wieder vergessen - großer Ärger kostet nur Nerven und bringt selten was.

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