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Tornados - die Fakten

Aktuell schocken uns die Bilder vom Tornado in Oklahoma. Der Sturm war am Montagnachmittag Ortszeit mit einer Windgeschwindigkeiten von bis zu 320 km/h über einige Vororte gefegt. Teile von Oklahoma City sind zu Katastrophen-Gebieten erklärt worden, viele Menschen haben alles verloren und obwohl die Rettungskräfte ihr Bestes geben, gibt es immer noch Vermisste, von denen die meisten nur noch tot geborgen werden können.



Tornados verbreiten immer mehr Angst und Schrecken. Aus diesem Grund haben wir hier die wichtigsten Fakten rund um diese Wetterphänomene zusammengefasst:

Was ist überhaupt ein Tornado?

Tornados sind die schnellsten Winde der Welt. Sie können Windgeschwindigkeiten von über 500 km/h erreichen und reißen alles nieder, was ihnen in die Quere kommt. Sie legen Strecken von bis zu 500 km zurück, ehe ihre gewaltige Kraft nachlässt. Kleine Tornados wirbeln eher Laub oder Staub auf, große zerstören Städte. Verwüstungen, Sachschäden, Verletzungs- und Todesopfer sind oft die Folge.
Das Wort „Tornado" stammt aus dem Spanischen und bedeutet „drehend". In den USA werden sie umgangssprachlich auch „Twister" genannt und in Deutschland sind Tornados unter dem Namen „Windhose" bekannt.

Wie entstehen Tornados?
Bild: Dirk Schäfer - Fotolia

Tornados entstehen während Gewittern in Minuten, sind schwer vorhersagbar und ändern unberechenbar die Richtung. Die genaue Urasche der Entstehung ist allerdings immer noch unklar und das bereits vorhandene Wissen nicht ganz leicht zu erklären. Hier ein Versuch:

Tornados entstehen, wenn feucht-heisse Luft aus der Golfregion mit kalter Luft aus dem Norden aufeinander trifft. Die Folgen hiervon sind labile Luftschichten mit Gewitterbildung. Wenn die Kaltluft die Luftmassengrenze durchbricht, stürzt sie mehrere Kilometer strudelförmig nach unten und wird am Rande des Strudels durch Warmluft ersetzt, die nach oben gerissen wurde. Die angesogene Luft wird immer enger zusammengedrückt, wodurch sich die Rotationsgeschwindigkeit erhöht. Die aufsteigende Warmluft kondensiert, wobei sich der trichterartige Wolkenschlauch bildet, der für Tornados eben so typisch ist.

Der Wolkenschlauch rotiert so lange nach unten, bis er den Erdboden erreicht. Hierbei rotiert er mit hoher Geschwindigkeit um seine Achse. Die Ursache für diese starke Drehbewegung ist die Erdrotation.

Ein Tornado startet in der Regel mit einer Geschwindigkeit von 40-50 km/h und kann über 500 km/h erreichen. Nach ca. 30 Minuten löst sich ein Tornado meist weitgehend auf und hinterlässt pures Chaos. Durch seine hohe Rotationsgeschwindigkeit und dem extrem niedrigen Luftdruck im Inneren (ca. 80 bis 100 hPa unter dem normalen Luftdruck der Umgebung) kommt es zu dieser zerstörerischen Kraft. Witzigerweise ist es im Inneren eines Tornados  fast windstill.

Dazu Wetter-Experte Kai Zorn.

Gibt es Tornados in Deutschland?
Bild: Danel - Fotolia

Tornados werden in Mitteleuropa noch nicht lange erforscht, dennoch sind sie meist nicht weniger gefährlich.
Zwar fegen die meisten Stürme durch die USA, aber auch in Deutschland, England, Italien, Osteuropa und Argentinien wüten regelmäßig Tornados.

In den USA toben jedes Jahr ca. 100.000 schwere Gewitterstürme. Daraus entwickeln sich etwa 1200 wirbelnde Luftschläuche, vor allem zwischen März und Mai. Zu dieser Zeit herrschen ideale Bedingungen zur Entstehung
                                                  solcher Windstürme. Die Bundesstaaten Texas, Kansas, Nebraska und auch
                                                  das aktuelle Katastrophengebiet Oklahoma gelten als extrem
                                                  tornadogefährdet.

Wäre Deutschland ein Bundesstaat der USA, dann wäre es immerhin auf dem 10. Platz, was die Häufigkeit dieser Wirbelstürme angeht. Und auch die Stärke unserer Tornados ist absolut nicht zu unterschätzen. In der Regel wüten sie zwar weniger als die Twister in den Staaten, aber etwa jeder hunderte Tornado ist verheerend, egal ob in Deutschland oder in den USA. In Nordamerika sind das im Schnitt etwa 12 pro Jahr, in Deutschland immerhin während 20 bis 30 Jahren einer.

Dazu Wetter-Experte Kai Zorn.

Wie kann ich mich schützen?

Im schlimmsten Fall gar nicht. Vor einem Tornado der Stärke F5 kann man sich nicht schützen, es sei denn, jemand hat einen bombensicheren Keller oder Bunker. Ansonsten gilt es, das Gefahrengebiet rechtzeitig zu verlassen. Auch F4-Tornados sind noch immer gewaltig. Selbst die häufiger auftretenden F3-Tornados sind eine ernst zu nehmende Gefahr. Im eigenen Haus ist man bis zu einem F3-Tornado noch verhältnismäßig sicher. Autos sind bei solch schweren Unwettern aber sehr gefährdet. Notfalls halten Sie lieber auf der Autobahn an und in Gebäuden gehen Sie in den Keller. Wenn Sie keinen Keller haben, weg vom Fenster, möglichst in einen zentralen abgeschlossenen Raum.

Nach dem Tornado: Unbedingt noch eine Weile warten! Auch noch mehrere hundert Meter von einem Tornado entfernt schießen Teile aus seiner Trümmerwolke durch die Luft. Wer das Spektakel beobachten will, begibt sich in Lebensgefahr.

Drehen Windhosen rechts oder links rum?
Bild: Otto Durst - Fotolia

Bei der Drehrichtung kommt es auf die geographische Lage an. Die angesogene Luft dreht auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn, auf der Südhalbkugel im Uhrzeigersinn.



Wie groß ist ein Tornado?

Der Durchmesser des Luftschlauchs variiert stark, 20 Meter sind vorstellbar, aber auch ein Kilometer. Wandert der Luftschlauch über Wasser, saugt er es hoch und wird so zur Wasserhose.

„In Deutschland gibt es immer mehr Tornados“

Diese Annahme ist nicht unbedingt nachweisbar. Wahrscheinlicher ist, dass einfach mehr Tornados beobachtet werden und mehr Menschen eine Kamera dabei haben, um die Naturgewalt festzuhalten. Außerdem gibt es mehr Tornadojäger, die sich sowohl in den USA als auch in Deutschland in Vereinen organisiert haben.


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