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Unwort des Jahres 2013

...und das Unwort des Jahres 2013 ist: OPFERABO

Den Begriff prägte Jörg Kachelmann in einem Interview zu den Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn. Kachelmann sagte wörtlich: "Das ist das Opfer-Abo, das Frauen haben. Frauen sind immer Opfer, selbst wenn sie Täterinnen wurden. Menschen können aber auch böse sein, auch wenn sie weiblich sind." Die Unwort-Jury hat den Begriff gewählt, weil es Frauen in inakzeptabler Weise unter den Verdacht stelle, sexuelle Gewalt zu erfinden. Auf Platz 2 wählte die Jury "Pleite-Griechen" und auf Platz 3 den Begriff "Lebensleistungsrente".

1019 verschiedene Vorschläge für das Unwort des Jahres gab es in diesem Jahr. "Schlecker-Frauen" ist der absolute Favorit unter den 2032 Einsendungen. Auch der am zweithäufigsten genannte Vorschlag "Anschlussverwendung" stammt aus der Krise der inzwischen pleitegegangenen Drogeriemarktkette Schlecker. Auf Platz drei steht "moderne Tierhaltung" - ein Begriff aus der Massentierhaltung. Ausgewählt wird der Begriff von einer institutionell unabhängigen Jury. Es spielt außerdem keine Rolle, wie oft das gleiche Wort eingesendet wurde.

Warum Unwort?

Mit der Aktion "Unwort des Jahres" will die Jury auf öffentliche Formen des Sprachgebrauchs aufmerksam machen und dadurch das Sprachbewusstsein in der Bevölkerung fördern. Das Unwort des Jahres lenkt deshalb den sprachkritischen Blick auf Wörter und Formulierungen in allen Feldern der öffentlichen Kommunikation, die gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstoßen. Wichtig ist, dass die Begriffe oder Formulierungen öffentlich geäußert wurden, aktuell sind und der Kontext bekannt ist.

 

Nachgefragt

Prof. Dr. Martin Wengeler ist Professor an der Universität Trier und Mitglied der Unwort-Jury. Uns hat er gesagt, warum es das Unwort des Jahres gibt:

Schlecker-Frauen

Bei den 2232 Einsendungen war "Schlecker-Frauen am häufigsten genannt worden. Kann man den Begriff überhaupt als Unwort sehen?

Vorschläge

Herr Wengeler, macht die Jury auch eigene Vorschläge oder werden ausschließlich die Vorschläge der Bevölkerung diskutiert?

Unwörter der letzten Jahren

Können Sie sich noch an die Unwörter der letzten Jahre erinnern?

2011: Döner-Morde
2010: alternativlos
2009: betriebsratverseucht
2008: notleidende Banken                    
2007: Herdprämie
2006: Freiwillige Ausreise
2005: Entlassungsproduktivität
2004: Humankapital
2003: Tätervolk
2002: Ich-AG
2001: Gotteskrieger
2000: national befreite Zone

1999: Kollateralschaden
1998: sozialverträgliches Frühableben
1997: Wohlstandsmüll
1996: Rentnerschwemme
1995: Diätenanpassung
1994: Peanuts
1993: Überfremdung
1992: ethnische Säuberung
1991: ausländerfrei





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