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Sparkassen-Raub in Gelsenkirchen: Das sagt Anwalt Benecken
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Sparkassen-Raub in Gelsenkirchen: Das sagt Anwalt Benecken

Der Sparkassen-Raub in Gelsenkirchen-Buer beschäftigt weiterhin die Menschen im Ruhrgebiet. Viele Geschädigte, die ein Schließfach im Tresorraum hatten, wissen nach wie vor nicht, was mit ihrem Geld oder ihren Wertsachen passiert ist – und ob sie den Schaden ersetzt bekommen. Radio Vest hat mit dem Marler Anwalt Burkhard Benecken gesprochen, der einige Opfer des Raubes vertritt.

Veröffentlicht: Montag, 05.01.2026 14:28

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Marler Anwalt Burkhard Benecken: "Verzweiflung spielt eine große Rolle"

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Herr Benecken, Sie haben mit etwa 20 Geschädigten gesprochen. Wie geht’s diesen Menschen? Da ist ja bestimmt auch eine ganz gehörige Portion Verzweiflung dabei. Geht’s da auch um Existenzen?

Tatsächlich spielt unheimlich viel Verzweiflung eine Rolle. Einige haben über Jahrzehnte etwas angespart, immer wieder Vermögenswerte in ihr Schließfach gebracht – und alles soll nun auf einmal weg sein. Das kam bei den geschädigten Kunden alles andere als gut an.

Zuletzt war zu lesen, der Schaden liegt wahrscheinlich bei um die 100 Millionen Euro. Sie glauben aber, dass der Schaden noch viel höher liegen könnte.

Ich halte den Schaden für deutlich höher als bisher angenommen. Ich habe mit einigen Geschädigten gesprochen und mal so einen Mittelwert herausgebrochen aus dem, was mir an Schadenssummen dort mitgeteilt wurde – und ich gehe davon aus, dass mindestens 100.000 Euro die Durchschnittssumme sein dürfte, die in den Schließfächern gelagert wurde. Ich weiß von Personen, bei denen es sogar teilweise bis in die Millionen hinein ging. Deshalb gehe ich davon aus, dass der Schaden bei mindestens 300 Millionen Euro liegt, vielleicht sogar bis zu einer halben Milliarde Euro. Also ein unglaublicher Wert und eine unglaubliche Beute, die die Täter hier wahrscheinlich gemacht haben.

Nehmen wir einfach mal den Schnitt von 100.000 Euro. Abgesichert sind durch die Sparkasse pro Schließfach etwas mehr als 10.000 Euro. Sie glauben aber, dass es gute Chancen gibt, dass die Menschen doch ihr Geld bekommen, weil die Kunden nicht genug aufgeklärt wurden.

Genau, es gibt zwei Aspekte, weshalb ich glaube, dass die Klausel mit den 10.000 Euro am Ende nicht greift. Zum einen ist es so, dass die Bank zentral zur Aufklärung aller Kunden verpflichtet ist. Es reicht nicht, im Kleingedruckten irgendeine Haftungshöchstgrenze aufzunehmen, sondern man muss das mit dem Kunden vor Vertragsabschluss im Einzelnen erörtern. Das ist nach meinem Kenntnisstand hier in keinem Fall geschehen. Zum anderen stellt sich natürlich auch die Frage: Was ist mit der Überwachung des entsprechenden Tresorraums gewesen? Möglicherweise ist hier die entsprechende Alarmanlage gar nicht installiert gewesen. Das wäre eine Sorgfaltspflicht, die die Sparkasse möglicherweise verletzt hat. Und dann würde sie ohnehin nach meiner Einschätzung für den ganzen Schaden haften.

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Sparkassen-Raub in Gelsenkirchen: Das sagt Anwalt Benecken
© Polizei Gelsenkirchen
Die Täter bohrten ein großes Loch in die Wand des Tresorraums. Sie sind nach wie vor auf der Flucht.
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Muss die Sparkasse den entstandenen Schaden komplett ersetzen?

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Heikel sind auch die angegebenen Mengen, die bei den Geschädigten in den Schließfächern gewesen sein sollen. Wie wollen Sie das angehen, wenn die Sparkasse sagt: Moment mal, woher sollen wir denn wissen, ob das stimmt, was sie da sagen?

Tatsächlich trifft den Kunden erst mal die Beweislast, nachzuweisen, was in dem jeweiligen Schließfach war. Ich sehe da aber ehrlich gesagt nicht die ganz großen Probleme. Natürlich reicht da eine bloße Liste nicht aus. Viele meiner Mandanten nicht nur aus dem türkischen Bereich haben aber Videos von Hochzeiten, Fotos der Gegenstände – einige haben es sogar gefilmt, als sie es ins Schließfach gepackt haben. Es gibt aber vor allem viele Kunden, die Zeugen haben. Die dabei waren, als die Sachen ins Schließfach gebracht wurden. Und die können dann eidesstattlich versichern, dass es so war. Und auch die trifft natürlich die Wahrheitspflicht, die dürfen nichts Falsches sagen. Und deshalb sehe ich die Chancen durchaus als hoch an, dass zumindest ein Großteil der Schäden ersetzt werden kann.

Wie sehen jetzt Ihre nächsten Schritte aus?

Zunächst stehen noch einmal zahlreiche weitere Gespräche mit Mandanten an. Wir fertigen jetzt gerade die ganzen Schadenslisten und sorgen dafür, dass die ganzen Beweismittel wie Zeugen, Videos etc. herbeigeschafft werden. Wir wollen der Bank natürlich alles entsprechend präsentieren. Und dann geht es um die Frage: Ist die Bank möglicherweise bereit, ihre bisherige Auffassung, nur 10.300 Euro zu ersetzen, aufzugeben? Oder wird das möglicherweise in einem langjährigen Rechtsstreit vor Gericht ausgetragen? Wir hoffen, dass eine außergerichtliche Einigung möglich ist. Ich glaube auch, dass alle Kunden dazu bereit wären, irgendwo etwas nachzugeben, wenn ein Großteil der Schäden ersetzt würde. 

Der Sparkassen-Raub in Gelsenkirchen: Das ist der aktuelle Stand.

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Hier könnt ihr das komplette Interview anhören:

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Radio Vest Burkhard Benecken zum Sparkassen-Raub in Gelsenkirchen
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