
Strom-Saboteur hatte offenbar noch viele Ziele
Der mutmaßliche Strom-Saboteur sitzt in Untersuchungshaft. In seinem Wohnmobil haben Ermittler Hinweise auf mehr als 160 mögliche Sabotageziele gefunden.
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Sabotage in mehreren Bundesländern
Der 48-Jährige soll an mehreren Orten in NRW, Brandenburg und Sachsen versucht haben, Stromleitungen in der Nähe von Kraftwerken zu sabotieren. Dazu soll er selbstgebaute Raketen eingesetzt haben, um Drähte über Hochspannungsleitungen zu schießen und so Kurzschlüsse auszulösen. Mindestens zweimal sollen dadurch Kraftwerksblöcke ausgefallen sein. NRW-Innenminister Reul hat die Einzelheiten nun im Innenausschuss des NRW-Landtags präsentiert. Nach seiner wollte der Mann offenbar gezielt die Stabilität des Stromnetzes gefährden und letztlich einen Blackout verursachen. Zu einem Stromausfall für die Bevölkerung kam es allerdings nicht.
Fahndung endet mit einer Gras-Spur
Nach dem 48-Jährigen wurde tagelang mit einem Großeinsatz gesucht. Zeitweise waren bis zu 1.700 Polizisten beteiligt. Gefasst wurde er schließlich bei Weisweiler auf ungewöhnliche Weise: Zwei Autobahnpolizisten entdeckten niedergetretenes Gras, das von einem Feldweg rund 200 Meter in ein Gebüsch führte. Dort fanden sie den Gesuchten in einem gut getarnten Zelt. Die Polizei hatte das Gelände zuvor mit Hubschraubern und Drohnen abgesucht, konnte das Zelt aus der Luft aber nicht erkennen. Der Mann leistete bei seiner Festnahme keinen Widerstand.
Notizbuch gibt Ermittlern neue Hinweise
Im Wohnmobil des Tatverdächtigen entdeckten die Ermittler ein Notizbuch mit handschriftlichen Vermerken zu mehr als 160 bisherigen und möglichen weiteren Sabotagezielen. Außerdem soll der Mann sieben weitere Orte genannt haben, die er als Lager genutzt hat. An drei dieser Orte wurde die Polizei bereits fündig. In NRW wurden bislang mehr als 40 Abschussvorrichtungen für Raketen entdeckt. Gegen den Mann liegen inzwischen zwei Haftbefehle vor. Hinweise auf Komplizen oder eine Steuerung aus dem Ausland gibt es nach Angaben des Innenministers nach aktuellem Stand nicht.
Bundesanwaltschaft übernimmt Fall
Wegen der besonderen Bedeutung der Sabotage-Fälle hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Sie prüft unter anderem den Verdacht einer verfassungsfeindlichen Sabotage. Damit liegt der Fall jetzt auf Bundesebene beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe.
Autor: José Narciandi
Quellen: Innenausschuss NRW-Landtag, dpa